Catena

Über 50 Jahre Amadeus:
Refit der Baunummer 1 der Jollenkreuzer aus der Werft Fricke und Dannhus

Ein Erfahrungsbericht von Karl Hopmann, Vorstandsmitglied der Catena e.V.
Bildquelle: Magazin "Yacht", Ausgabe 13/2011
Schüler und Ehemalige des Hermann-Josef-Kollegs Kloster Steinfeld in der Eifel restaurierten in knapp dreijähriger Arbeit die Baunummer 1 der Jollenkreuzer aus der Werft Fricke und Dannhus. Der 15er Jollenkreuzer Amadeus, Baujahr 1960, war der Catena e. V., Verein der Ehemaligen Schülerinnen und Schüler des Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld, 2002 gestiftet worden. Auslöser für die Stiftung war ein Zeitungsartikel über die erfolgreiche Kooperation zwischen der Catena, dem SSS Segel-Sportclub Schwammenauel und der Segelschule Becker Wassersport am Rursee in der Eifel. 10 Schüler hatten damals den Segelschein frisch bestanden und suchten ein Jugendboot.
Gruppenfoto Schnell war allerdings klar, dass eine Menge Arbeit auf die Schüler und Ehemaligen wartete.
Auf der Boot 2003 in Düsseldorf wurden Kontakte geknüpft, vor allem auch zu Jens Dannhus, der anhand der mitgebrachten Fotos und eigenen Recherchen betätigte, dass die Amadeus die Baunummer 1 der Jollenkreuzer aus der Werft Fricke und Dannhus ist und wertvolle Tipps zum Refit gab. Auf der Boot wurden schon Taue und Fender gekauft in der sicheren Hoffnung, dass Amadeus bald schwimmen würde. Es würde aber noch bis 2005 dauern, was damals noch keiner ahnen konnte.
Beschlossen wurde das Boot zu ölen statt zu lackieren, damit später der Unterhaltungsaufwand nicht zu hoch für die Schüler wird. Jährliches Ölen geht für Schülerhände einfacher als Abziehen und Lackieren und sieht auch noch prima aus. Zunächst wurde das Mahagonischiff in einer historischen Halle in der Klosteranlage Steinfeld von allen Beschlägen und Einbauten befreit und total von Innen und Außen abgeschliffen. Viele Abende und Wochenenden gingen hierfür ins Land. Gott sei Dank war Ute Stolz aus dem Vorstand der Catena des Öfteren mit hervorragendem Kuchen zur Stelle, nicht zuletzt auch zur Aufmunterung, wenn das Projekt mal ins Stocken zu geraten drohte. Leider war das Boot an einigen Stellen in der Nähe des Schwertkastens von Schwarzfäule an den Eichenspanten befallen. Nach Entfernen des Schwertkastens wurden noch weitere Schäden am Kielbalken und Planken festgestellt. Das war dann der Zeitpunkt, professionelle Hilfe zu suchen. In Neuss kümmert sich der Tischlermeister Hellmut Pannenbecker, selber aktiver P-Boot Segler, um die Restaurierung von Holzschiffen. Dort fand Amadeus nun Unterschlupf und Karl Hopmann, Vorstandsmitglied der Catena und Vorsitzender des SSS half dort tatkräftig mit. 70 gebrochene Spanten wurden verstärkt, der Hauptspant wurde ersetzt, der Kielbalken verstärkt, ein neuer Schwertkasten eingesetzt und ein paar Planken teilerneuert. Nach alter Väter Sitte erhielt die Kajüte eine neue Bespannung mit Nesselstoff und Spannlack in weiß. In einem Wintermonat wurden sämtliche Beschläge von alten Lackschichten befreit und Instand gesetzt, die Fenster erhielten neue Dichtungen. In Steinfeld wurden dann über 50 Schichten D1-Öl aufgetragen, natürlich unterstützt von der guten Kuchenfee. Zwischendurch machte die erste Quellaktion, gesichert am Kranhaken und in Gurten, im Wasser der Duisburger Seenplatte Vorfreude auf die nahe Saison. Nach dem Trocknen wurde dann D2 in mehreren Schichten aufgetragen. Das gesamte laufende und stehende Gut wurde ausgetauscht. In Kall schnitt die Schlosserei Müller per Wasserstrahlverfahren ein neues VA-Schwert, da das alte Schwert an mehreren Stellen durchgerostet war. Mit zwischenzeitlich erneuertem Mastfuß, repariertem Baum und neu gebauten Ruderkopf mit bei Müller neu gefertigten Beschlägen ging es zum ersten Mal 2005 an den Rursee.
Leider aber nur für kurze Zeit, da das Schiff nicht ganz dicht zu bekommen war. Es musste noch mal nachgearbeitet werden. Am 20. Mai 2006 wurde mit klösterlicher Begleitung und Gottes Segen und vielen Gästen bei Windstärke 10 und Regen das Schiff getauft und das Projekt gebührend gefeiert. Die vielen gebrochenen Spanten kamen jedoch nicht von Ungefähr, das Boot hatte keinen hinreichenden Verbund und war leider nicht ausreichend dicht zu bekommen. Da das ständige Pumpen den Schülern auf Dauer nicht zuzumuten war, entschloss sich die Catena schweren Herzens ein "Leichenhemd" aufziehen zu lassen. Die fachmännischen Arbeiten wurden bei der Werft Lopez im Düsseldorfer Hafen hervorragend erledigt. Übrigens hatte ein Werftmitarbeiter seinen Schulabschluss in Urft, unterhalb vom Kloster Steinfeld, gemacht. Insofern strahlte Amadeus danach besonders hochglänzend und vor allem dicht allen Bewunderern entgegen. In den Wintermonaten danach wurden alle Bodenbretter abgeschliffen und geölt und die wunderschönen Schränke überarbeitet. Die alte Rollfockanlage wurde von Auszubildenden einer Firma in Neuss Instand gesetzt. Auch der Kreuzbandriss von Karl Hopmann beim ungeschickten Aussteigen rückwärts aus dem Schiff in der Halle konnte den Eifer nicht bremsen. Ein Jahr Segelauszeit für den SSS-Vorsitzenden war aber die Folge. In der Zeit segelten die Steinfelder Schüler der Segel AG wie schon in den Saisons davor mit großer Begeisterung einmal pro Woche am Rursee. Der SSS stellt den Liegeplatz kostenfrei zur Verfügung und profitiert dabei von der Bekanntheit des schönen Jollenkreuzers. Johannes Ringkamp, Vorsitzender der Catena, Jörg Zwitters, stellvertretender Internatsleiter in Steinfeld, Karl Hopmann und Lars Meyer, der noch in seiner Schülerzeit und zwischenzeitlich im Vorstand sowohl bei Catena und dem SSS aktiv gewesen, kümmern sich von Anbeginn des Projektes um die jeweiligen jungen Segler. Lars Meyer und Amadeus gewannen 2008 übrigens mit neuen Segeln die Clubmeisterschaft des SSS vor den H-Booten! Bei gutem Wind lassen sich sogar Trias und Drachen jagen. Vor allem, nachdem nach 50 Jahren 2010 der Mast nach irreparablen Schäden von Hellmut Pannenbecker aus einer Schwarzwaldföhre neu gebaut wurde. Jetzt geht die Post richtig ab. So sehr, dass sich leider die wunderschöne originale zentrale Messingwinsch bei einem heißen Ritt über den Rursee mit drei kräftigen Jungs aus dem Reitbalken verabschiedete und im hohen Bogen ins Wasser plumpste. Aus Kostengründen wurde nur eine handelsübliche Winsch neu verschraubt; ein Stilbruch bei den ansonsten weitgehend originalen Beschlägen!
Dieses Projekt mit all seinen Höhen und Tiefen war nur durch die Vielzahl fleißiger Hände, einer Stamm-Mannschaft und langjährigen Sponsoren zu schaffen. Die Kooperation zwischen dem Ehemaligenverein und dem Segelclub ist nach wie vor für beide Seiten und dem Kloster Steinfeld von Vorteil. Es entstanden viele neue Freundschaften, das Projekt ist mittlerweile über die Grenzen von Steinfeld hinaus bekannt geworden, nicht zuletzt auch durch die Darstellung in der örtlichen Presse. Die Schüler lernen Verantwortung zu übernehmen und im Team zu arbeiten, gute Voraussetzungen für das spätere Berufsleben.